Mobilfunkantenne in einem Feld
Digitale Zukunft

Open RAN einfach erklärt: Was die standardbasierte Architektur für Mobilfunknetze bedeutet

Open RAN beschreibt eine standardbasierte Architektur im Funkzugangsnetz, also in dem Teil des Netzes, der Endgeräte mit dem Mobilfunknetz verbindet. Statt auf geschlossene Systeme einzelner Anbieter zu setzen, sollen zentrale Netzkomponenten über standardisierte Schnittstellen miteinander arbeiten. Dadurch können Mobilfunknetzbetreiber Hardware und Software verschiedener Hersteller flexibler kombinieren und ihre Netze unabhängiger, anpassungsfähiger und potenziell innovativer betreiben.

Was Du in diesem Beitrag erfährst:

  • Open RAN ist eine standardbasierte Architektur für den Mobilfunkzugang.
  • Standardisierte Schnittstellen ermöglichen Komponenten verschiedener Hersteller.
  • Der Ansatz macht Netze flexibler, kann aber den Aufwand für Tests und Integration erhöhen.
  • Open RAN kann Netzbetreibern mehr Flexibilität ermöglichen und langfristig Aspekte wie Performance, digitale Souveränität, Nachhaltigkeit und Innovation unterstützen.

Was ist Open RAN?

Open RAN steht für Open Radio Access Network und beschreibt einen standardbasierten, modularen Ansatz für den Aufbau von Mobilfunknetzen. Im Mittelpunkt steht der Teil des Mobilfunknetzes, der Dein Smartphone über Antennenstandorte mit dem Kernnetz verbindet. Die O-RAN Alliance beschreibt Open RAN als eine Architektur für das Funkzugangsnetz, bei der Netzkomponenten über definierte Schnittstellen interoperabel zusammenspielen können.[1] Das Ziel ist, dass Mobilfunknetze flexibler, offener und weniger abhängig von einzelnen Herstellern werden.

Anders als beispielsweise 5G ist Open RAN kein eigener Mobilfunkstandard. Die Architektur beschreibt keine Mobilfunkgeneration, sondern wie bestimmte Netzkomponenten aufgebaut und miteinander verbunden werden können.[2]

Wie funktioniert Open RAN?

In klassischen Mobilfunknetzen stammen viele Komponenten des Funkzugangs aus eng gekoppelten Systemen eines Herstellers. Open RAN trennt einzelne Bausteine stärker voneinander. Sie können über standardisierte Schnittstellen miteinander kommunizieren.[2],[4]

Auf diese Weise haben Netzbetreiber die Möglichkeit, Komponenten verschiedener Anbieter zu kombinieren, sofern diese technisch zusammenpassen. Das setzt klar definierte Standards, umfangreiche Tests und einen technisch abgestimmten Netzbetrieb voraus.[3],[4]

Open RAN strukturiert also den Funkzugang im Mobilfunknetz modularer. Statt eines geschlossenen Komplettsystems können einzelne Bausteine herstellerübergreifend zusammenspielen. Das macht Netze flexibler, erhöht aber auch die Anforderungen an Integration, Sicherheit und Tests.

So unterscheidet sich Open RAN von klassischen Mobilfunknetzen

Die folgende Tabelle zeigt Dir die wichtigsten Unterschiede zwischen Open RAN und den klassischen geschlossenen Systemen. Sie beschreibt die Grundprinzipien, ohne einzelne Netze oder Anbieter im Detail zu bewerten.

AspektKlassisches RANOpen RAN
NetzkomponentenAls Komplettsystem eines HerstellersKomponenten verschiedener Anbieter kombinierbar
SchnittstellenProprietär und herstellerspezifischStandardisierte Schnittstellen
ArchitekturStärker integriertModular aufgebaut
IntegrationIntegration und Betrieb durch einen AnbieterHöherer Abstimmungs- und Testaufwand zwischen mehreren Anbietern
FlexibilitätÄnderungen an ein System gebundenKomponenten können flexibler ausgetauscht oder erweitert werden
ZielEnge Systemintegration und abgestimmter BetriebMehr Interoperabilität und Anpassungsfähigkeit

Vereinfachter Vergleich zwischen klassischem RAN und Open RAN

Open RAN bedeutet also nicht automatisch, dass ein Netz besser oder schneller ist. Damit die Architektur ihre Vorteile ausspielen kann, müssen Betreiber die einzelnen Komponenten gut planen, testen und betreiben.

Welche Vorteile bietet der Open-RAN-Ansatz?

Open RAN kann Mobilfunknetze flexibler und modularer machen. Netzbetreiber können Komponenten verschiedener Anbieter kombinieren und einzelne Netzbereiche gezielter ausbauen. Dadurch lassen sich Abhängigkeiten von einzelnen Herstellern reduzieren. Gleichzeitig kann Open RAN die digitale Souveränität stärken, indem technologische Infrastruktur unabhängiger von einzelnen Anbietern gestaltet und weiterentwickelt werden kann. Das National Institute of Standards and Technology (NIST) beschreibt Open RAN als Ansatz für flexiblere und innovationsfreundlichere Telekommunikationsnetze.[2]

Ein weiterer Vorteil liegt in der stärkeren Software-Orientierung. Netzfunktionen können stärker virtualisiert und automatisiert werden. Das kann helfen, Netze effizienter zu steuern und Ressourcen gezielter einzusetzen. Technologien wie Datenanalyse und künstliche Intelligenz gewinnen dabei für Netzoptimierung, Automatisierung und Energieeffizienz an Bedeutung.[5]

Durch die stärkere Trennung von Hard- und Software sowie die Nutzung standardisierter Schnittstellen lassen sich einzelne Netzkomponenten gezielter austauschen und aktualisieren. Neue Funktionen und Technologien können dadurch potenziell schneller in bestehende Netzstrukturen integriert werden.

Welche Herausforderungen birgt Open RAN?

Open RAN bringt nicht nur Chancen. Wenn Komponenten verschiedener Anbieter zusammenspielen, steigen die Anforderungen an Integration, Tests und den laufenden Netzbetrieb. Standardisierte Schnittstellen müssen technisch sauber umgesetzt, sicher geplant und kontinuierlich überwacht werden.

Dass Open RAN im Netzbetrieb funktioniert, zeigt das 1&1 Mobilfunknetz: Mit rund 12,5 Millionen Nutzerinnen und Nutzern ist es das größte Open-RAN-basierte Mobilfunknetz nach Nutzerzahl. Die standardisierten Schnittstellen ermöglichen es, mit verschiedenen spezialisierten Herstellern zusammenzuarbeiten und Netzkomponenten gezielt auszuwählen.

Auch Sicherheit spielt dabei eine zentrale Rolle. Das 1&1 Open RAN erfüllt die Sicherheitsempfehlungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), und 1&1 steht dazu im regelmäßigen Austausch mit der Behörde. Die technische Sicherheit des 1&1 O-RAN wurde 2024 im Auftrag der Bundesnetzagentur im Rahmen eines regulären Audits gemäß § 165 TKG durch das BSI überprüft. Dabei wurden keine sicherheitsrelevanten Schwachstellen festgestellt.

Welche Rolle spielt Open RAN für 5G und künftige Netze?

Open RAN ist ein Baustein für moderne Netzarchitekturen. Besonders im Umfeld von 5G, 5G Advanced und folgenden Netzgenerationen werden offene Schnittstellen, Automatisierung und softwarebasierte Funktionen wichtig.

Damit ist Open RAN ein wichtiger Faktor im Hinblick auf Zukunftstechnologien und Netze nach 5G. Die Architektur kann dazu beitragen, dass der Funkzugang künftig flexibler und interoperabler aufgebaut werden kann.

Auch das 1&1 Mobilfunknetz setzt auf Open-RAN-Technologie. Damit passt der Ansatz zu einem modernen, softwarebasierten Netzaufbau, ohne dass Du als Nutzerin oder Nutzer dafür besondere Einstellungen am Smartphone vornehmen musst.

Fazit: Warum Open RAN wichtig ist

Open RAN macht Mobilfunknetze modularer, stärker softwarebasiert und flexibler erweiterbar. Dadurch können Netzbetreiber Komponenten gezielter kombinieren, neue Technologien schneller integrieren und ihre Infrastruktur langfristig anpassen.

Für 1&1 ist Open RAN ein zentraler Baustein des eigenen Mobilfunknetzes. Der Ansatz steht für ein leistungsfähiges, zukunftssicheres, nachhaltigeres, sicheres und unabhängigeres Netzkonzept: Cloud-Infrastruktur, standardisierte Schnittstellen, energieeffiziente Standard-Hardware und ein breites Partner-Ökosystem tragen dazu bei, Mobilfunk neu zu denken.

 

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Autorin: Jessica

Jessicas Schwerpunkte sind iPhones und Updates zu iOS – für das 1&1 Magazin schreibt sie abgesehen davon auch zu Ratgeber- und Verbraucher-Themen

FAQ: Open RAN

Open RAN bedeutet Open Radio Access Network. Es beschreibt einen offenen Ansatz für das Funkzugangsnetz im Mobilfunk, bei dem Komponenten über standardisierte Schnittstellen zusammenspielen können.[1]

5G ist eine Mobilfunkgeneration. Open RAN ist eine Architektur für den Netzaufbau. Open RAN kann in 5G-Netzen eingesetzt werden, ist aber nicht mit 5G gleichzusetzen.

Open RAN macht das mobile Internet nicht automatisch schneller. Es bildet aber die Grundlage für ein modernes, softwarebasiertes Mobilfunknetz, in dem neue Technologien flexibel integriert und Netzressourcen effizient gesteuert werden können.

Open RAN nutzt mehr standardisierte Schnittstellen und kann Komponenten verschiedener Anbieter verbinden. Dadurch steigen die Anforderungen an Sicherheitskonzepte, Tests und Kontrolle.[3]

Literaturverzeichnis

[1] O-RAN Alliance: What We Do, O-RAN Alliance, https://www.o-ran.org/what-we-do, zuletzt abgerufen am 21.05.2026.

[2] NIST: Open Radio Access Network (Open RAN), National Institute of Standards and Technology, https://www.nist.gov/open-radio-access-network-open-ran, zuletzt abgerufen am 21.05.2026.

[3] Europäische Kommission: Cybersecurity of Open Radio Access Networks, Europäische Kommission / ENISA / NIS Cooperation Group, https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/library/cybersecurity-open-radio-access-networks, zuletzt abgerufen am 21.05.2026.

[4] O-RAN Alliance: O-RAN Specifications, O-RAN Alliance, https://www.o-ran.org/specifications, zuletzt abgerufen am 21.05.2026.

[5] Polese, Michele; Bonati, Leonardo; D’Oro, Salvatore; Basagni, Stefano; Melodia, Tommaso: Understanding O-RAN: Architecture, Interfaces, Algorithms, Security, and Research Challenges, arXiv, 2022, https://arxiv.org/abs/2202.01032, zuletzt abgerufen am 21.05.2026.

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